Schatzi, lass mich in Ruhe 

Wir versuchen zu lesen, er geht uns auf den Senkel mit dämlichen, kindischen Spielchen: In Beziehungen verliert man schnell mal den Verstand, die Figur oder sich selbst. Neun Problemfälle, neun Strategien, wie wir auch mit den nervigsten Seiten unserer Traummänner umgehen können 

 

TEXT: LISA HECHENBERGER 

Es passiert automatisch, sobald wir eine monogame Beziehung eingehen: Zumindest teilweise gleichen wir unsere Gewohnheiten an seine an. Dann spielen wir womöglich abends „Looping Louie“ statt über einen Paul-Auster-Roman zu philosophieren. Vielleicht würden wir auch lieber mit einer Pizza auf dem Sofa liegen, statt mit unserem persönlichen Drill Instructor beim Joggen über Gluten zu schimpfen. Oder umgekehrt: Sie sind der totale Aktiv-Freak, werden aber von Ihrem Klotz-am-Bein-Kerl ausgebremst. Hier sind neun Männertypen (mit ihren nervigen Standard-Sprüchen), und wie wir in einer Beziehung mit ihnen vor allem einer Person treu bleiben: uns selbst! 

1. „Das verstehe ich jetzt nicht.“ 

Dieser Satz kommt Ihnen bekannt vor? Liegt wohl daran, dass Ihr Kerl zwar süß, aber nicht ganz auf Ihrer Wellenlänge ist. Nett aus gedrückt: Während Sie geistig Monsterwaves surfen, fläzt er in seichtem Gewässer auf der Luftmatratze. Doch je mehr Sie mit ihm abhängen, desto mehr lassen auch Sie sich treiben. Immer öfter erwischen Sie sich da bei, wie Sie auf dem Sofa das „Zeit Magazin“ sinken lassen und plötzlich „K 11“ mitgucken. Und wozu neue Kulturen kennenlernen, wo er doch das „Riu-Bravo“-Hotel auf Mallorca seit Jahren schätzt?
 
So bleiben Sie smart:
„Fragen Sie sich regelmäßig: Was macht mir intellektuell Spaß und wie behalte ich mir den im Leben?“, rät Paartherapeutin Anne Meinhold. „Denn manche Männer tendieren dazu, im Laufe der Zeit schlichter zu werden.“ Bleiben Sie unabhängig, treten Sie einem Buchclub bei oder besorgen Sie sich eine Jahreskarte fürs Museum. Nebeneffekt: Er wird sich bald fragen, was Sie da immer machen ... und auch mitkommen wollen! 

2. „Was sollen nur die Nachbarn denken?“ 

Gebügelte Unterhosen, blitzblanke Schuhe und pünktlich um sieben das Essen auf dem Tisch – so mag es der Spießer. „Dieser Mann braucht den Zwang, weil er im Umgang mit seinen Bedürfnissen nie gelernt hat, Wahlmöglichkeiten zu entwickeln“, erklärt Männercoach Jochen Rögelein. „Ihm geht es um Sicherheit und Kontrolle über sein Leben.“ Dass er auch ein bisschen Ordnung in Ihr Chaos-Leben bringt, reizt Sie vielleicht. Wenn Sie sich aber komplett nach seinem Reinlichkeitslevel richten müssen oder er Sie sogar als Hausfrau sieht, geht das gar nicht.

So bleiben Sie locker:
„Sagen Sie ihm von vornherein, wenn er zu hohe Ansprüche an Sie stellt, nach dem Motto: Diese Erwartungen kann ich nicht erfüllen. Und behalten Sie Ihre Autonomie, auch Sie wollen keinen Mann, der sich aufgibt“, so Anne Meinhold. Wenn sich Ihre Prioritäten unterscheiden, dann ist das nun mal so – kein Grund, sofort zum Badreiniger zu greifen, nur weil ihn ein kleiner Make-up- Fleck stört. Kommt er mal wieder mit seinem „Was sollen nur die Nachbarn denken?“ um die Ecke, ihn auslachen, tief in die Augen blicken und sagen: „Vermutlich: ‚Wow, haben die laut Sex!‘“ 

3. „Ausruhen geht nicht – heute ist Legday.“ 

Die Zeiten von Schokocroissant und Café Latte zum Frühstück sind vorbei. Jetzt gibt es Eiweißshakes mit Low-Carb-Brötchen. Lecker und entspannt? War mal! Bei sechs Trainingseinheiten pro Woche sehen Sie die verschwitzten Muskelshirts Ihres Partners öfter als ihn. Klar, ihm im Gym ab und zu Gesellschaft zu leisten, schadet nicht – hinter seinem exzessiven Verhalten stecken aber möglicherweise pure Selbstzweifel. „Was ihm fehlt, ist eine gesunde Portion Selbstsicherheit und Gelassenheit!“, erklärt der Münchener Coach Jochen Rögelein.
 
So bleiben Sie relaxt:
Streicheln Sie sein Ego und lenken Sie seinen Fokus auf persönliche Lebensziele abseits der Muckibude („Toll, wie du dieses Meeting gemeistert hast.“). Machen Sie ihm aber auch klar, dass Sie sich Ihre Zeit auf der Couch hart verdient haben und es hier keinen Platz für schlechtes Gewissen gibt. Wenn er nölt, soll er halt seine Beine allein trainieren... 

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Sich an den Partner anzupassen, hat aber auch positive Effekte: weniger Reibung, mehr Harmonie! 

4. „Ich will lieber mit dir allein sein.“ 

Für Ihre Freundinnen ist er Yeti – ein sagenumwobenes Wesen, über das sie zwar viel gehört, es aber noch nie zu Gesicht bekommen haben. „Zu kaputt, um noch auszugehen ...“, ist häufig seine Ausrede. Die Erklärung dafür ist laut Jochen Rögelein recht einfach: „Frau an sich stellt schon eine geheimnsivolle Galaxie für ihn dar. Mit einer allein ist er genug beschäftigt.“ Leider ändert sein Verhalten aber auch Ihr Sozialleben: Während Sie früher die absolute Netzwerkerin waren, bieten sich jetzt nur noch wenige Gelegenheiten, um Ihre Freunde zu treffen oder neue Kontakte zu knüpfen. Sie kapseln sich mit Ihrem Yeti ab ... 

So bleiben Sie eine Socializerin:
Unternehmen Sie etwas ohne ihn! In Beziehungen ist es wichtig, auch getrennt voneinander zu funktionieren. Während Sie bei einem Mädelsabend sind, kann er das Bett vorwärmen. Führt nur zu Frustration bei beiden: Ihn auf Veranstaltungen zu zwingen, auf die er keine Lust hat. „Solange es genug gibt, das Sie abgesehen davon teilen, ist es auch in Ordnung, wenn er ein wenig soziophob ist“, sagt Anne Meinhold. 

5. „Nur noch eine Folge.“ 

„Netflix and Chill“ ist nicht nur seine Art, einen gemütlichen Abend zu verbringen, sondern sein Lebensmotto, Deliveroo seine meistgenutzte App. Und das einzige Work-out, das der Schluffi durchzieht, ist, sich vom Sofa zu hieven, um Bier und Chips zu holen. Kurz: Der Typ macht Sie fett und faul! Einen verregneten Sonntag lang mag dieser Lebensstil ganz nett sein, auf Dauer ist seine Lethargie aber nur eins: nervenaufreibend. „Interessenlosigkeit, fehlende Empathie und keine Perspektive machen ihn anfällig für alles, was bequem ist“, weiß Jochen Rögelein.

So bleiben Sie aktiv:
Statt nörgelige „Lass uns doch mal ...“-Botschaften zu senden, rät Anne Meinhold: „Sagen Sie: ‚Ich würde mich freuen, wenn wir das zusammen ausprobieren. Das ist mir echt wichtig.‘ Laden Sie ihn also persönlich ein, gemeinsame Erfahrungen zu machen.“ Wenn er auch darauf nie eingeht und den Hintern immer noch nicht hochbekommt, suchen Sie sich am besten einen anderen Begleiter – Eifersucht kann auch ein ziemlich guter Antrieb sein! 

6. „Was schenken wir denn meiner Mama/Schwester/Nichte?“ 

Geburtstage auf dem Schirm haben, Rechnungen pünktlich bezahlen, mal die Spülmaschine anstellen ... und das alles gleichzeitig – völlige Utopie für ihn. Das macht Sie fertig, denn Sie regeln nicht nur Ihren eigenen Alltag, sondern seinen gleich mit. Selbstständigkeit ist für ihn ein Fremdwort – weil auch früher schon Mutti alles gemanagt hat.
 
So bleiben Sie autark:
„Das ist eine Spezialübung für Frauen, die zu viel Verantwortung übernehmen. Und meistens lachen sie sich genau solche Männer an!“, weiß Anne Meinhold. Die Strategie der Expertin: Nicht unterstützend eingreifen oder ihn in irgendeine Richtung drängen. Er muss lernen, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Auch wenn das heißt, dass Sie die dritte Mahnung seines Internetanbieters ignorieren. „Wenn er sich nicht darum kümmert, ist ja auch er derjenige mit dem Problem“, so die Therapeutin. Also: abwarten und aussitzen ... Im wahrsten Wortsinn etwa, wenn Sie dafür eine Woche lang Taschentücher statt Toilettenpapier benutzen, weil er mit dem Einkauf dran gewesen wäre. 

7. „Ein Schnaps geht noch!“ 

Gemeinsam feiern zu gehen, schweißt durchaus zusammen und hebt die Stimmung in der Beziehung – das ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Aber nur, bis einer zu tief ins Glas schaut. Wenn Ihre Leber schon aufjault, weil er zum vierten Mal die Woche nicht nach Hause gehen will, ist das bedenklich. Vor allem, wenn er immer wieder ausprobiert, ob man auch ohne Spaß Alkohol haben kann ... 

So bleiben Sie nüchtern:
„Geben Sie ihm Raum, in dem er auch mal über die Stränge schlagen kann, Männer brauchen das. Bestehen Sie aber darauf, dass es in einem akzeptablen Rahmen abläuft, wenn Sie dabei sind“, empfiehlt Therapeutin Anne Meinhold. Ansonsten gilt: Ohne ihn heimgehen. Für immer. „Haben Männer Schwierigkeiten im Umgang mit ihren Gefühlen, ist Saufen oft ein Lösungsversuch – allerdings ein schlechter“, erklärt Jochen Rögelein. Wenn er also zum Frühstück schon ein Weißbier zischen möchte, heißt es in Zukunft besser nicht: „Ex und hopp“, sondern eher: „Hopp und Ex!“ 

8. „Vorher sahst du besser aus.“ 

Wo Sie früher noch liebend gern High Heels getragen haben, um Ihre Sexiness zu feiern, greifen Sie jetzt zu Sneakers. Vielleicht weil’s bequemer ist. Vielleicht aber auch, weil Ihr Skater-Kerl sich nichts aus Mode macht und eher einen blöden Spruch als ein Kompliment auf Lager hat, wenn Sie sonntags mal Rock statt Jogginghose anhaben. Ihre (falsche) Reaktion darauf: sich abzuschminken statt aufzubrezeln.
 
So bleiben Sie chic:
Gehen Sie irgendwohin, wo man gut aussehen muss – „zum Beispiel in die Oper“, rät Anne Meinhold. Kaufen Sie sich ein neues Kleid dafür. Und bestaunen Sie Ihr Spiegelbild auf dem Weg hin in jedem Schaufenster. Mensch, haben Sie dieses Gefühl vermisst! 

9. „Du fehlst mir jetzt schon!“ 

Drei Anrufe in Abwesenheit, zwei WhatsApp-Nachrichten und eine E-Mail – all das, weil Sie zehn Minuten länger im Büro waren. Er will bei Ihnen sein. Immer. Auch virtuell, mit „Ich liebe dich“-Postings auf Facebook und Herz-Emoji- Kommentaren unter jedem Instagram-Bild. Ergo: Sie fühlen sich eingeengt! Jochen Rögelein kennt das Problem: „Der symbiotische Typ hat keine Ahnung von einer angemessenen Nähe-Distanz-Regulation und kann nur schlecht bis gar nicht allein sein.“
 
So bleiben Sie frei:
„Vielleicht lassen Sie ihn nicht genug spüren, wie ernst es Ihnen mit ihm ist“, gibt die Therapeutin zu bedenken. „Wenn Sie aber merken, dass er Sie nur kontrolliert, müssen Sie das nicht zulassen.“ Die Expertin empfiehlt in dem Fall: Klartext! Erklären Sie ihm, dass Sie Luft brauchen und auch mal die Person sein wollen, die sich nach ihm sehnt. Falls das nicht reicht: Handy ausschalten, offline gehen und Funkstille genießen. 

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